Eine Weihnachtsgeschichte (Teil 7 von 8)

Dreiundzwanzigster Dezember
(Sonntag)

Es war der vierte Advent und ein Tag vor Heiligabend. Samira und Janna waren beide in der Kirche. Danach gab es Tee und Kekse, es war richtig gemütlich und Janna fing sofort an zu erzählen, was sie am vorigen Abend erlebt hatte:
„Jetzt kenne ich zwei kleine Sterne! Mein lieber Freund, Luminceryl heißt er übrigens, hat nämlich auch eine Freundin! Sie ist sehr schön und leuchtet in einem warmen, gelben Ton. Sie wird Lumillarcia genannt.

Wir sind eigentlich nur herumgeflogen, haben dabei schöne Weihnachtslieder gesungen und geredet. Ich habe viel über die Sterne erfahren, sie können zum Beispiel nur in der Adventszeit auf die Erde kommen und persönlich mit Menschen reden und mit ihnen durch die Lüfte schweben.
Wenn sie am vierundzwanzigsten Dezember um vierundzwanzig Uhr wieder an ihre Plätze am Himmel müssen, können wir aber auch nicht mehr fliegen. Doch die Dinge, die sie sonst für uns gezaubert haben, bleiben uns erhalten, wie zum Beispiel mein Talent für das Schlittschuhlaufen!
Lumillarcia erzählte mir, dass sie und Luminceryl verlobt sind. Eigentlich wollten sie hier auf der Erde heiraten, aber sie können das nur, wenn sie am Himmel sind. Heute Abend ist der Termin, und wir sind eingeladen.“
„Was heißt hier ‚WIR‘?“, wollte Samira wissen. „Na, du und ich, natürlich. Um halbacht werden die beiden Sterne und ich an dein Fenster klopfen, dann kannst du uns sagen, ob du mitkommst. Samira, es ist deine letzte Chance, morgen werden wir nicht mehr durch die Nacht fliegen können. Sie kommen nur mal kurz, um sich zu verabschieden!“ Das war der letzte Satz, den Samira von ihrer Freundin hörte, bevor sie nach Hause musste.
Aber am Abend kamen Lumillarcia , Luminceryl und Janna tatsächlich zu ihr, und sicher könnt ihr euch denken, was für große Augen sie dann bekam. Schließlich hatte Samira ihrer Freundin nie ganz richtig geglaubt, was sie so von den abendlichen Erlebnissen erzählt hatte.
Da sie jetzt jedoch sah, das es Wirklichkeit war, wollte sie auf keinen Fall die Sternenhochzeit verpassen. Sie zog sich warme Sachen an, kletterte durch das Fenster und flog mit den anderen so hoch in den Himmel, dass man es sich kaum vorstellen kann. Samira fühlte die Freiheit, es war genauso wunderbar, wie Janna es beschrieben hatte!
Die Stadt mit den vielen Lichtern wurde immer kleiner und irgendwann war es so dunkel, dass die Mädchen ohne die Sterne nur Schwärze gesehen hätten.
Doch je höher sie kamen, umso heller wurde es wieder. Dort, wo Hochzeit gefeiert werden sollte, hatten sich schon ganz viele Sternengäste versammelt. Sie begrüßten die Braut und den Bräutigam mit einem schönen, klaren, fröhlichen Gesang. Die Freundinnen konnten nicht anders, sie mussten einfach mit einstimmen.
Es war wie im Traum. Aber plötzlich flüsterte Samira: „Oh nein! Was soll ich ihnen nur schenken! Das hab ich ja ganz vergessen!“ Janna beruhigte sie. „Keine Angst, ich habe genug Zimtsterne gebacken. Wir können sie ihnen gemeinsam geben.“
Das frisch gebackene Ehepaar freute sich sehr darüber. Lumillarcia und Luminceryl überreichten jedem der Mädchen drei wunderbar glitzernde Sternenketten – eine kleine und zwei große. „Das wäre doch nicht nötig gewesen!“, meinte Janna, „Aber jetzt habe ich wenigstens schöne Weihnachtsgeschenke für meine Eltern! Nur diese eine werde ich selber behalten. Danke für alles!“ Dabei deutete sie auf die kleinste Kette. „Ja, das ist eigentlich eine gute Idee!“, sagte Samira, „Ich werde es auch so machen.“
Dann reisten die Freundinnen wieder nach Hause und freuten sich auf Heiligabend.

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