Eine Weihnachtsgeschichte (Teil 3 von 8)

Neunzehnter Dezember
(Mittwoch)

„Oh nein, ich hab ganz vergessen zu üben!“ Janna war verzweifelt. „Was, du hast nicht mehr an den Vokabeltest gedacht? Das kommt davon, wenn man lieber mit komischen Sternen durch die Nächte fliegt.“ Samira wollte schadenfroh grinsen, aber man sah ihr an, dass sie auch ein bisschen Mitleid hatte.

„Ja, das wird wohl so sein. Aber ich weiß ganz bestimmt noch, dass ich dir gestern versprochen habe, dir alle Erlebnisse zu berichten. Warte nur ab, wenn wir Englisch erst mal hinter uns haben, dann…“ Da kam schon der Lehrer und Janna musste sich wohl oder übel mit einer weniger guten Zensur zufrieden geben. Zum Glück konnten sie die Gedanken an den vorigen Abend wieder aufmuntern. Sehr lebhaft schilderte sie alles, was geschehen war:
„Gestern unternahmen wir wieder einen Ausflug zu anderen Leuten. Wir gingen aber früher los, um halbacht. Es war trotzdem schon genauso dunkel wie beim letzten Mal. Ich hatte meinen Eltern gesagt, ich müsse noch etwas für eine Freundin machen… das stimmt im Prinzip ja auch.
Ich hatte gehofft, dass es diesmal schneien würde, aber daraus wurde nichts. Ich bin froh, dass es noch ein paar Tage sind bis Heiligabend, dann habe ich ja eine  Chance, durch das Treiben der Schneeflocken zu schweben! Mittlerweile kann ich mich auch schon ziemlich gut in der Luft halten. Am Anfang war das nämlich gar nicht so leicht. Auch vernünftiges Fliegen will gelernt sein!
Bei der Familie, die wir besuchten, lagen Scheren, Kleberflaschen und Tuben, Stifte und Papier kreuz und quer auf dem Küchentisch verteilt. Die Eltern und die Kinder schienen sehr fröhlich zu sein. Sie waren am Basteln, fertigten Fensterbilder und allerlei schöne, weihnachtliche Dinge an. Manchmal sangen sie auch dabei, es war wirklich lustig, ihnen dabei zuzusehen!
Das Beste an dem gestrigen Abend war allerdings, dass ich selbst mitmachen durfte. Das ergab sich eben so. Obwohl man sich in Gegenwart eines Sterns nie sicher sein kann, ob es wirklich nur Zufall ist. Na ja, jedenfalls stand eine Katze vor der Tür und sie wollte unbedingt zu ihrer Familie in das Haus. Weil sie mich so erwartungsvoll ansah, konnte ich einfach nicht anders, als zu klingeln. Zu der Frau, die mir öffnete, sagte ich, ihr Haustier wolle nicht gerne draußen bleiben. Sie war sehr freundlich und bedankte sich bei mir. Sie meinte, ich könne auch mit hineinkommen und ihren Kindern beim Backen helfen. Das war sehr witzig, ich hatte viel Spaß mit Julian und Laura. Wir wollen uns sogar noch mal treffen.“
„Ach wirklich?“ ,fragte Samira ungläubig, „Das sagst du nicht nur, weil ich meinte, in der Adventszeit sei alles langweilig?“
„Nee – willst du mal probieren?“ Janna reichte ihr einen kleinen, süßen Zimtstern. „So einen habe ich auch meinem Sternenfreund gegeben. Er hat sich sehr darüber gefreut. Vielleicht backe ich welche. Übermorgen, zum letzten Schultag, da sollen wir doch auch Kekse mitbringen. Dann kann er ruhig auch welche bekommen!“

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